Willkommen in der Welt von Stefan Gemmel
Willkommen in der Welt         von Stefan Gemmel

Die Razejungen: Es gibt sie wirklich!!!!

Sie sind aus Lehmen nicht mehr wegzudenken.
Und niemand dort wollte sie mehr missen.

Die Razejungen.

Eine Gruppe mit langer Tradition und jungen Ideen.

     
     

Wer sind die Razejungen?
Die Lehmer Razejungen sind eine Interessengemeinschaft. Sie fördern die Kultur des Weinbaus der Terrassenmosel, pflegen Brauchtum und Kultur, bringen Kindern und Jugendlichen den Weinbau in unserer Kulturlandschaft nahe.

Sie betreiben einen eigenen Weinberg, pflegen Weinbergterrassen, halten alte Tradition aufrecht, unterstützen das Bonner Beethoven Gymnasium bei der Pflege des „Schulwingerts“ an der Untermosel/Lehmen, sind eine Kooperation mit der Grundschule Lehmen Lehmen eingegangen und begleiten die Schüler aktiv bei den Arbeiten im Wingert „rund ums Jahr“.

Sie sind Werbeträger für die Kulturlandschaft der Untermoselregion, z.B. als Vertreter der Untermosel am Rheinland-Pfalz-Tag, richten die Razejungen-Weinprobe zur Eröffnung des Lehmener Weinfestes aus, nehmen als Brauchtumsgruppe an Festumzügen und Weinfesten teil und vieles mehr.

Die Razejungen sind bewusst nicht in einem Verein organisiert, sondern bilden sich aus der Gemeinde heraus. Nur so fühlen sich die Razejungen richtig verstanden.
Oft knüpfen Neubürger auf diese Weise erste Kontakte im dörflichen Leben.

     

Woher kommt der Name?
Der Begriff Razejung leitet sich von dem Arbeitsgerät, der Raz, eine aus astlosen Haselnussstöcken geflochtene Kiepe, ab. Mit dieser beförderten die männlichen Bruchsteinmaurer aus Lehmen (Jungen) in den Wintermonaten den Stallmist zur Düngung der Weinstöcke in die steilen Weinbergslagen.

Was ist die Raz?

Die sogenannte Raz (Kiepe) wird aus ausgewählten astlosen Haselnussstöcken hergestellt. Diese werden in heißes Wasser eingeweicht und danach geschält. Es folgt die Aufspaltung in schindelähnliche Gerten. Aus diesem Rohmaterial wird dann die Raz geflochten. Die neuzeitlichen Razejungen haben nach alter Tradition eine Original - Raz gebaut und die Arbeitsschritte auch bildlich dokumentiert.

Und für alle, die noch mehr wissen wollen:

 

Geschichtliches:
Lehmen, zum ersten Male urkundlich erwähnt im Jahr 865 n.Chr. im Zusammenhang mit dem Weinbau, hatte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts zum Handwerkerdorf entwickelt. Vorrangig wurde der Beruf des Bruchsteinmaurers ausgeübt.

Da für alle nicht genug Arbeit vorhanden war, mussten viele Männer, um Arbeit zu finden, ausziehen, und an anderer Stelle den Unterhalt für ihre Familien verdienen. Zur Winterszeit kehrten sie wieder zu ihren Familien zurück.

Diese Leute, die aus der wirtschaftlichen Not heraus gezwungen waren, in den meist beschäftigungslosen Wintermonaten den Lebensunterhalt der Familien mit einer zusätzlichen Arbeit zu bestreiten, fanden diese in den Weinbergen, auch Wingerten genannt. Die Arbeit bestand darin, mit der „Raz“ (einer aus Haselnussstöcken geflochtenen Kiepe), Stallmist zur Düngung der Weinstöcke in die Wingerte zu schleppen.

Urkundlich sind die Razejungen im Kirchbuch der Ober Pfarrkirche zu Lehmen zum ersten Mal 1784 erwähnt worden, als “Mistträger“ im Weingarten der Kirche.

Das Misttragen wurde so zu einem Winterberuf und zu einer zusätzlichen Einnahme- quelle für Jungen und Männer. Es war eine sehr anstrengende Arbeit, die die Lehmer Razejungen besonders gut beherrschten.
Vor Beginn der Arbeit wurde mit dem Winzer der Lohn ausgehandelt. Für jede getragene Raz wurde eine Kerbe in den „Knüppel“ eingeritzt. Der Knüppel ist der Stock des Razejungen, den er beim Anstieg in den Wingert als Stütze benutzt. Auf diese Weise konnte er sich leicht die Anzahl der geschleppten Razen merken und einen Nachweis für seine durchgeführte Arbeit bringen.
Eine Raz voll Mist wog etwa 30 - 40 kg und reichte aus, um etwa 6 Rebstöcke mit ausreichend Dünger zu versorgen. Ungefähr 8 - 10 mal am Tag wurde die gefüllte Raz bis in die höchste “Kuhr“ der Steillagenweinberge geschleppt. Die Kuhr ist der
Gebrauchsname für die Terrassen im Weinberg. Selbst Nachbarorte nahmen die fleißigen Razejungen gern unter Lohn, denn das Misttragen war dort verpönt. Die Lehmer Razejungen ließen sich für ihre Arbeit mehr schlecht als recht für die körperlich schwere Arbeit bezahlen. Sie versetzten sich aber in die Lage, ihre Sankt Castor Kirmes Ende Januar/Anfang Februar feiern zu können. Der Stundenlohn lag damals
bei nur 15 Pfg. für Schuljungen, 25 Pfg. für die Jugendlichen und 40 Pfg. für die Erwachsenen.
Alle 2 Jahre halten die heutigen Razejungen die alte Tradition aufrecht, das Düngen der Rebstöcke bei einem Winzer mittels Stallmist unter Zuhilfenahme der Raz .

Raz: die sogenannte Raz (Kiepe) wird aus ausgewählten astlosen Haselnussstöcken hergestellt. Diese werden in heißes Wasser eingeweicht und danach geschält. Es folgt die Aufspaltung in schindelähnliche Gerten. Aus diesem Rohmaterial wird dann die Raz geflochten. Die neuzeitlichen Razejungen haben nach alter Tradition eine Original - Raz gebaut und die Arbeitsschritte auch bildlich dokumentiert.


   

Überarbeitete Auszüge aus der „Razejungen-Chronik“ von W.Unschuld u. M.Kreckler

Lehmen, Juni 2009
Dieter Möhring

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